KI verändert den Schweizer Arbeitsmarkt grundlegend und verunsichert viele Bewerberinnen und Bewerber. Wir haben mit Prof. Dr. Maja Störmer von der IU International University of Applied Sciences gesprochen. Die Personalexpertin erklärt, worauf es bei Bewerbungen im KI-Zeitalter wirklich ankommt.
Viele Absagen haben heute nicht nur mit Qualifikation zu tun, sondern auch damit, wie gut ein Lebenslauf auf moderne Recruiting-Prozesse abgestimmt ist. Denn Bewerbungen werden immer häufiger zuerst durch Bewerbermanagementsysteme verarbeitet, bevor Recruiterinnen und Recruiter sie im Detail prüfen. Was für Menschen logisch erscheint, ist für solche Systeme nicht immer eindeutig lesbar.
Unübersichtliche Struktur, fehlende Schlüsselbegriffe oder ein CV, der zu lang oder zu kurz wirkt, können dazu führen, dass Bewerbungen ihr Potenzial nicht entfalten. Aus dem Gespräch mit Prof. Dr. Maja Störmer haben wir deshalb 9 konkrete Tipps für deinen Lebenslauf im KI-Zeitalter zusammengetragen: von der richtigen Struktur über relevante Schlüsselbegriffe bis hin zu Länge, Formatierung und typischen Fehlern.
Wie sollte ein Lebenslauf in der Schweiz 2026 aufgebaut sein?
Prof. Dr. Maja Störmer empfiehlt, den Lebenslauf konsequent aus Sicht der Recruiterinnen und Recruiter zu denken. Stell dich immer in die Rolle des Recruiters: Die haben selten Zeit – und heute filtern zudem KI-Systeme und ATS-Software deine Bewerbung vor. Über 60 % der Schweizer Firmen nutzen bereits ATS-Systeme.
Meine wichtigsten Punkte für deinen Lebenslauf:
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Maximal 1 bis 2 Seiten – bei Berufseinsteigern reicht eine Seite völlig.
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Tabellarischer Lebenslauf in umgekehrt chronologischer Reihenfolge – das ist der Standard in der Schweiz.
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Klare, nachvollziehbare Struktur – experimentelle Designs wirken unprofessionell.
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Schlüsselwörter aus der Stellenbeschreibung übernehmen – das hilft sowohl dem ATS als auch dem menschlichen Auge.
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Rechtschreibung und einheitliche Formatierung – das ist leider immer noch das grösste Manko.
Nebentätigkeiten und Nebenjobs im Lebenslauf – Chance oder Risiko?
Prof. Dr. Maja Störmer betont, dass Nebentätigkeiten im Lebenslauf keineswegs ein Nachteil sein müssen. Viele Studierende arbeiten nebenbei – im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Lager. Entscheidend ist die Darstellung in deinem Lebenslauf. Ein einfacher Eintrag wie «Kellnern» oder «Kasse» hat für einen Recruiter oder eine Recruiterin keine Relevanz und kann als «Deskilling» gewertet werden.
So wird aus deiner Nebentätigkeit eine Stärke:
Was sind ATS-Systeme – und wie optimierst du deinen CV für sie?
Prof. Dr. Maja Störmer weist darauf hin, dass Bewerberinnen und Bewerber die Rolle von ATS-Systemen richtig einordnen sollten. ATS steht für Applicant Tracking System. ATS steht für Applicant Tracking System – Software, die Bewerbungen verwaltet und automatisch nach Keywords durchsucht. Über 60 % der Schweizer Firmen setzen bereits auf solche Systeme. Besonders in Banken, Versicherungen und Konzernen erwarten Recruiterinnen und Recruiter konservative, einspaltige Layouts und eine klare, sachliche Struktur. ATS-Systeme lehnen keine CVs ab. Sie helfen beim Sortieren für den Menschen. Die abschliessende Entscheidung treffen immer Menschen.
So machst du deinen Lebenslauf ATS-freundlich:
Was tun bei vielen Absagen?
Prof. Dr. Maja Störmer ordnet ein, dass gerade Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger heute häufig mit vielen Absagen konfrontiert sind. Gerade Berufseinsteiger bekommen heute oft viele Absagen. Der Arbeitsmarkt ist aktuell schwierig, aber es gibt auch einen massiven Fachkräftemangel. Schweizer Arbeitgeber bewerten zunehmend nachweisbare Fähigkeiten höher als formale Abschlüsse oder bekannte Firmennamen.
Mein Rat für dich:
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Durchhalten – der Arbeitsmarkt wird sich wieder verbessern.
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Vernetzen – Vitamin B ist extrem wichtig. Geh initiativ auf Unternehmen zu.
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Früh anfangen – schreib deine Abschlussarbeit bei einem Unternehmen. Das ist der beste Einstieg.
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CV kontinuierlich verbessern – mit jedem Feedback, mit jeder Absage wirst du besser.

Darf ein KI-generiertes Bewerbungsfoto in deinen Lebenslauf?
Prof. Dr. Maja Störmer weist darauf hin, dass ein Foto im Lebenslauf in der Schweiz nach wie vor üblich ist, rechtlich jedoch nicht verpflichtend. Ein professionelles Bild kann einen positiven ersten Eindruck unterstützen. Ein schlechtes, veraltetes oder unpassendes Foto kann hingegen das Gegenteil bewirken.
Meine klare Empfehlung für dein Bewerbungsfoto:
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Gutes, professionelles Foto – verwenden. Investiere CHF 80–150 in ein Businessfoto.
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Kein Foto oder schlechtes Foto – lieber weglassen.
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KI-generierte Fotos – Finger weg! Die sind meist aktuell noch erkennbar und wirken oftmals unprofessionell.
Wie wichtig sind Noten im Lebenslauf?
Prof. Dr. Maja Störmer empfiehlt, Noten im Lebenslauf gezielt einzusetzen. Besonders für Studierende und Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger können sie relevant sein, weil noch wenig Berufserfahrung vorhanden ist.
- Gute bis sehr gute Noten solltest du deshalb nennen. Sie können zeigen, dass du leistungsbereit bist und fachlich überzeugst.
- Durchschnittliche oder schwächere Noten musst du hingegen nicht aktiv hervorheben. Auf Nachfrage kannst du sie nachreichen oder einordnen.
Wichtig ist aber: Noten sind nur ein Teil des Gesamtbildes. Recruiterinnen und Recruiter achten auch darauf, was du zusätzlich erreicht hast. Hast du neben dem Studium gearbeitet? Hast du Verantwortung in Gruppenprojekten übernommen? Hast du internationale Erfahrung gesammelt? Solche Punkte können gerade bei Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern mindestens genauso aussagekräftig sein.
Wie detailliert soll dein Lebenslauf sein – und wie lang?
Gute Frage! Es gibt keine offizielle Längenbeschränkung, aber dein Lebenslauf sollte maximal zwei bis drei Seiten umfassen. Längere Lebensläufe enthalten oft zu viele irrelevante Informationen. Auch mit 20 Jahren Erfahrung solltest du dich auf zwei Seiten beschränken – frühere Stationen werden kürzer zusammengefasst.
Die richtige Balance für deinen CV: Grundsätzlich solltest du immer für den Leser schreiben, der deine Fachsprache nicht unbedingt versteht. Aber Detailreichtum bedeutet nicht Länge. Zwei bis drei prägnante Sätze pro Station reichen, um Interesse zu wecken.
Ein Beispiel aus der Praxis: Als Informatiker schreibst du nicht einfach «Programmierung», sondern nennst konkret «Python», «Java» oder «SQL». Nur so kann das ATS die Begriffe erkennen.
Braucht es das Motivationsschreiben in der Schweiz noch?
Ja, das Anschreiben wird in der Schweiz nach wie vor fast immer gefordert und genau gelesen. Gerade bei der ersten Sichtung merken Recruiter sofort, ob du dich individuell mit der Stelle auseinandergesetzt hast.
Wie viel KI darf heute in deinem Anschreiben stecken? Nutze KI-Tools wie ChatGPT ruhig als Sparringspartner – für Rechtschreibprüfung, für Formulierungshilfen, für die ATS-Optimierung. Aber lass dein Schreiben nicht generisch wirken. Ein guter Bewerber wird durch KI besser.

Prof. Dr. Maja Störmer
Prof. Dr. Maja Störmer ist Professorin für Personalentwicklung an der IU Internationale Hochschule. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Organisations- und Personalentwicklung, Agilität, relationale Netzwerke, Organisationskommunikation und Diversity Management. 2018 veröffentlichte sie zudem einen Sammelbandbeitrag zu Chancen und Herausforderungen der Personal- und Organisationsentwicklung im Zeitalter der Industrie 4.0 bei Springer Fachmedien.
Störmer ist gefragte Trainerin und Gastdozentin – unter anderem für den DAAD, die Airbus Operation GmbH und die Donau Universität Krems.















