Themen dieses Artikels:

Die wichtigsten Tipps zum Lebenslauf in der Schweiz

  • Ein klar strukturierter Lebenslauf wird schneller verstanden als ein kreatives Design
    Recruiter lesen Lebensläufe selten gemütlich, sondern unter Zeitdruck. Ein CV muss deshalb in Sekunden Orientierung geben. Klare Abschnitte, chronologische Reihenfolge und einfache Bulletpoints helfen mehr als Grafiken, Balken oder Icons. Kreative Layouts wirken zwar modern, kosten aber Zeit beim Erfassen der Informationen. Je schneller jemand versteht, was du gemacht hast, desto höher ist die Chance, dass dein Profil überhaupt genauer angeschaut wird.

  • Ein natürliches Bewerbungsfoto wirkt besser als ein perfektes Studiofoto
    Ein Foto dient weniger der Schönheit als dem Eindruck von Persönlichkeit. Stark bearbeitete Bilder oder sehr gestellte Studioaufnahmen wirken oft distanziert. Ein neutrales, freundliches Bild mit normalem Ausdruck passt besser zur Erwartung in der Schweiz. Es geht darum, einen menschlichen Eindruck zu vermitteln, nicht ein Hochglanzprofil zu zeigen.

  • Noten verlieren nach den ersten Berufsjahren an Bedeutung
    Nach einigen Jahren zählen praktische Erfahrungen, Referenzen und Arbeitszeugnisse in der Schweiz deutlich stärker als Schulnoten oder Abschlussresultate. Noten sind vor allem dann relevant, wenn noch wenig Berufserfahrung vorhanden ist. Danach werden sie zunehmend zur Hintergrundinformation.

  • Lücken im Lebenslauf werden künftig normal
    Karrieren verlaufen immer weniger nach Schema F. Reisen, Weiterbildungen, Neuorientierungen oder bewusste Pausen kommen häufiger vor. Entscheidend ist nicht die Lücke selbst, sondern ob sie verständlich einzuordnen ist. Je länger die Lebensarbeitszeit wird, desto normaler werden Unterbrüche im Erwerbsleben.

  • Entscheidend ist Orientierung im Lebenslauf
    Recruiter suchen keinen perfekten Menschen, sondern ein verständliches Profil. Ein Lebenslauf soll schnell beantworten: Was kannst du, was hast du gemacht und wie entwickelst du dich? Kleine Unschärfen oder weniger spektakuläre Stationen sind weniger problematisch als ein unübersichtlicher Aufbau. Ein klarer CV überzeugt stärker als Inszenierung.

Viele Bewerbende optimieren ihren Lebenslauf nach Vorlagen aus dem Internet. Doch wie lesen Recruiter in der Schweiz den CV tatsächlich? Worauf achten sie beim Lebenslauf?

Wir haben ein Interview mit dem HR-Experten Reto Marks geführt. Reto arbeitet seit mehr als 30 Jahren im HR und in der Rekrutierung in der Schweiz. Er war unter anderem Leiter Personal der Bank Linth und Leiter Personaldienst der Stadt Rapperswil-Jona.

Im Gespräch erklärt Reto, wie Lebensläufe tatsächlich beurteilt werden und warum oft ganz andere Dinge entscheidend sind als gedacht. Das Interview wurde von unserer Co-Gründerin Kathrin Neumüller geführt.

CV Aufbau und Lebenslauf Struktur: Wie Recruiter den Lebenslauf lesen

Was fällt dir als erstes auf, wenn du einen Lebenslauf öffnest?

Wie strukturiert jemand denkt. Strukturierte Leute haben in der Regel auch einen strukturierten Lebenslauf. Kreativere Leute haben einen bunteren.

Also wirklich schon eine Art Denkstil, den man erkennt?

Ja, genau.

Meinst du damit eher den Werdegang oder das Layout?

Beides. Je langweiliger ein Lebenslauf daherkommt, desto schneller habe ich die Orientierung.

Es gibt zum Beispiel diese bunten CV-Vorlagen mit vielen grafischen Elementen, Bubbles und Icons. Sehr kreativ, aber ich muss mir die Informationen zuerst zusammensuchen. Das ist nicht falsch, vor allem nicht für Marketing oder Werbung. Aber viele Jobs sind nicht rein kreativ.

Ich habe wenig Zeit. Deshalb bin ich froh über klare Bulletpoints und schnellen Überblick.

Wird der klassische Lebenslauf deshalb bevorzugt?

Es geht nicht um klassisch oder modern. Die Kunst ist, dem Leser nicht die Zeit zu stehlen. Zeit fehlt heute überall. Und wenn Zeit fehlt, fehlt oft auch die Qualität der Beurteilung.

Je einfacher der Lebenslauf aufgebaut ist, desto eher kann ich die Essenz erkennen.

Berufserfahrung im CV: Dauer der Stellen und linearer Lebenslauf

Achten Recruiter auf die Dauer einzelner Stationen?

Ja. Ich schaue, wie lange jemand auf einer Stelle war. Hat jemand Durchhaltewillen gezeigt? Ist jemand durch eine Talsohle gegangen?

Das müssen nicht 15 Jahre sein. Aber fünf bis sechs Jahre finde ich gut. Dann weiss ich, man hat auch schwierige Phasen erlebt und nicht sofort gewechselt.

Werden lineare Lebensläufe deshalb bevorzugt?

Nicht unbedingt wegen Kreativität oder mangelnder Kreativität. Sondern wegen Lesbarkeit. Ein klarer Werdegang hilft mir schneller zu verstehen, was jemand wirklich kann.

Bewerbungsfoto im Lebenslauf Schweiz

Foto im Lebenslauf Pflicht oder nicht?

Ich finde Fotos gut. Bilder sagen manchmal mehr als Texte.

Auch wenn sie nicht perfekt sind?

Gerade dann. Ich mag Makel. Heute kann man über KI alles glätten, aber Menschen sind nicht makellos.

Natürlich keine extremen Bilder. Nicht wie ein Polizeifoto, aber auch nicht wie sieben Tage Regenwetter. Einfach natürlich positiv, wie du es privat machen würdest.

Noten im Lebenslauf

Wie wichtig sind Noten nach einigen Berufsjahren?

Je länger man im Berufsleben ist, desto weniger relevant werden Noten. Dann zählen Arbeitszeugnisse und Referenzen.

Wann sind sie noch wichtig?

Direkt nach der Ausbildung, weil man noch nicht viele andere Daten hat.

Lücken im Lebenslauf in der Schweiz

Wie beurteilst du Lücken im Lebenslauf?

Das hängt stark vom Recruiter oder der Recruiterin selbst ab. In meiner Generation, also Ü50, ist man sich diese Lücken im Lebenslauf weniger gewohnt und interpretiert schnell etwas hinein.

Das kommt sicherlich auch auf den persönliche Werdegang und die Offenheit des Gegenübers – vielleicht hatte er oder sie auch einmal eine Lücke im Lebenslauf und weiss das richtig einzuschätzen.

Bei jüngeren Menschen sehe ich das anders. Ich hatte heute jemanden, der einfach ins Ausland geht ohne konkreten Plan zu arbeiten. Dahinter steckt ein höheres Selbstbewusstsein. Man weiss, irgendwo geht wieder eine Tür auf.

Werden Lücken im Lebenslauf häufiger werden?

Ja. Das hängt auch mit einem strukturellen Wandel auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft zusammen. Das Drei-Phasen-Modell Ausbildung, Arbeiten, Pensionierung stammt aus einer Zeit, in der Menschen etwa mit 65 gestorben sind.

Heute liegt die Lebenserwartung weit höher.

Und was bedeutet die längere Lebenserwartung konkret für Karrieren?

Wir bewegen uns in Richtung fünf Lebensphasen. Das hat Einfluss auf das Berufsleben, auf Partnerschaften und auf den Energiehaushalt.

Wenn man länger arbeitet, braucht es mehr Pausen. Deshalb werden Lücken im Lebenslauf in den nächsten zehn Jahren normal sein.

Über Thomas Bigliel

Bildungsexpert:in AI-Unternehmer:inFuture-of-Work-Macher:inTalent-BoosterCareerTech-Gründer:in

Thomas Bigliel, Mitgründer von Humboldt AI, spezialisiert auf KI-basierte Karriereanalyse, CV Check und Bewerbungsoptimierung für den Schweizer Arbeitsmarkt.

Thomas ist Gründer und Co-CEO von Humboldt AI. Er ist Fachbuchautor sowie Autor zahlreicher Fachartikel zu Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. Nach absolvierter Berufslehre studierte er Wirtschaftsinformatik mit Fokus Human-Computer-Interaction an der Hochschule Luzern und Management an der Universität Liechtenstein.

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