Die wichtigsten Tipps zum Lebenslauf in der Schweiz
Viele Bewerbende optimieren ihren Lebenslauf nach Vorlagen aus dem Internet. Doch wie lesen Recruiter in der Schweiz den CV tatsächlich? Worauf achten sie beim Lebenslauf?
Wir haben ein Interview mit dem HR-Experten Reto Marks geführt. Reto arbeitet seit mehr als 30 Jahren im HR und in der Rekrutierung in der Schweiz. Er war unter anderem Leiter Personal der Bank Linth und Leiter Personaldienst der Stadt Rapperswil-Jona.
Im Gespräch erklärt Reto, wie Lebensläufe tatsächlich beurteilt werden und warum oft ganz andere Dinge entscheidend sind als gedacht. Das Interview wurde von unserer Co-Gründerin Kathrin Neumüller geführt.
CV Aufbau und Lebenslauf Struktur: Wie Recruiter den Lebenslauf lesen
Was fällt dir als erstes auf, wenn du einen Lebenslauf öffnest?
Wie strukturiert jemand denkt. Strukturierte Leute haben in der Regel auch einen strukturierten Lebenslauf. Kreativere Leute haben einen bunteren.
Also wirklich schon eine Art Denkstil, den man erkennt?
Ja, genau.
Meinst du damit eher den Werdegang oder das Layout?
Beides. Je langweiliger ein Lebenslauf daherkommt, desto schneller habe ich die Orientierung.
Es gibt zum Beispiel diese bunten CV-Vorlagen mit vielen grafischen Elementen, Bubbles und Icons. Sehr kreativ, aber ich muss mir die Informationen zuerst zusammensuchen. Das ist nicht falsch, vor allem nicht für Marketing oder Werbung. Aber viele Jobs sind nicht rein kreativ.
Ich habe wenig Zeit. Deshalb bin ich froh über klare Bulletpoints und schnellen Überblick.
Wird der klassische Lebenslauf deshalb bevorzugt?
Es geht nicht um klassisch oder modern. Die Kunst ist, dem Leser nicht die Zeit zu stehlen. Zeit fehlt heute überall. Und wenn Zeit fehlt, fehlt oft auch die Qualität der Beurteilung.
Je einfacher der Lebenslauf aufgebaut ist, desto eher kann ich die Essenz erkennen.
Berufserfahrung im CV: Dauer der Stellen und linearer Lebenslauf
Achten Recruiter auf die Dauer einzelner Stationen?
Ja. Ich schaue, wie lange jemand auf einer Stelle war. Hat jemand Durchhaltewillen gezeigt? Ist jemand durch eine Talsohle gegangen?
Das müssen nicht 15 Jahre sein. Aber fünf bis sechs Jahre finde ich gut. Dann weiss ich, man hat auch schwierige Phasen erlebt und nicht sofort gewechselt.
Werden lineare Lebensläufe deshalb bevorzugt?
Nicht unbedingt wegen Kreativität oder mangelnder Kreativität. Sondern wegen Lesbarkeit. Ein klarer Werdegang hilft mir schneller zu verstehen, was jemand wirklich kann.
Bewerbungsfoto im Lebenslauf Schweiz
Foto im Lebenslauf Pflicht oder nicht?
Ich finde Fotos gut. Bilder sagen manchmal mehr als Texte.
Auch wenn sie nicht perfekt sind?
Gerade dann. Ich mag Makel. Heute kann man über KI alles glätten, aber Menschen sind nicht makellos.
Natürlich keine extremen Bilder. Nicht wie ein Polizeifoto, aber auch nicht wie sieben Tage Regenwetter. Einfach natürlich positiv, wie du es privat machen würdest.
Noten im Lebenslauf
Wie wichtig sind Noten nach einigen Berufsjahren?
Je länger man im Berufsleben ist, desto weniger relevant werden Noten. Dann zählen Arbeitszeugnisse und Referenzen.
Wann sind sie noch wichtig?
Direkt nach der Ausbildung, weil man noch nicht viele andere Daten hat.
Lücken im Lebenslauf in der Schweiz
Wie beurteilst du Lücken im Lebenslauf?
Das hängt stark vom Recruiter oder der Recruiterin selbst ab. In meiner Generation, also Ü50, ist man sich diese Lücken im Lebenslauf weniger gewohnt und interpretiert schnell etwas hinein.
Das kommt sicherlich auch auf den persönliche Werdegang und die Offenheit des Gegenübers – vielleicht hatte er oder sie auch einmal eine Lücke im Lebenslauf und weiss das richtig einzuschätzen.
Bei jüngeren Menschen sehe ich das anders. Ich hatte heute jemanden, der einfach ins Ausland geht ohne konkreten Plan zu arbeiten. Dahinter steckt ein höheres Selbstbewusstsein. Man weiss, irgendwo geht wieder eine Tür auf.
Werden Lücken im Lebenslauf häufiger werden?
Ja. Das hängt auch mit einem strukturellen Wandel auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft zusammen. Das Drei-Phasen-Modell Ausbildung, Arbeiten, Pensionierung stammt aus einer Zeit, in der Menschen etwa mit 65 gestorben sind.
Heute liegt die Lebenserwartung weit höher.
Und was bedeutet die längere Lebenserwartung konkret für Karrieren?
Wir bewegen uns in Richtung fünf Lebensphasen. Das hat Einfluss auf das Berufsleben, auf Partnerschaften und auf den Energiehaushalt.
Wenn man länger arbeitet, braucht es mehr Pausen. Deshalb werden Lücken im Lebenslauf in den nächsten zehn Jahren normal sein.















