Worum es im Motivationsschreiben wirklich geht

Mit deinem Motivationsschreiben sollte der Recruiter drei Dinge verstehen:

  • warum du dich bewirbst
  • welche Anforderungen du wirklich erfüllst
  • warum das zusammenpasst

Der Lebenslauf liefert den Hintergrund. Er zeigt, was du bisher gemacht hast.
Das Bewerbungsschreiben gibt dem Ganzen einen Rahmen. Es erklärt, was du jetzt daraus machen willst, wie du dich einordnest und was du dir vom Job erhoffst.

Du musst das Rad nicht neu erfinden

Mit deinem Motivationsschreiben musst du die Welt nicht neu erfinden. Wichtiger als Originalität ist die Verständlichkeit.

Ein gutes Motivationsschreiben ist nicht länger als eine Seite, klar gegliedert und ohne Floskeln. Vor allem musst du den Lebenslauf nicht wiederholen. Den kennt der Leser bereits. Das Motivationsschreiben soll dem Leser helfen, zwischen den Zeilen zu lesen und erklären, warum du dich überhaupt bewirbst.

Du musst also nicht nochmals erzählen, wo du gearbeitet hast, sondern warum dich genau diese Aufgabe anspricht und was daraus entstehen soll.

Das sollte immer im Motivationsschreiben sein 

Wichtig ist dabei:

  • eine persönliche Anrede (wenn du unsicher bist, ruf’ am besten an)
  • ein sauberer Betreff mit Stellentitel und Bezug zur Stellenausschreibung
  • präzise Sprache
  • aktiver Verbalstil
  • klare Verbindung zwischen Anforderungsprofil und deinen Beispielen und Resultaten

No-gos beim Motivationsschreiben sind Rechtschreibfehler, vor allem in Zeiten von KI. Lass die KI dir bei der Rechtschreibung helfen. 

KI clever für Bewerbungsschreiben nutzen

KI gehört inzwischen dazu. Sie hilft beim Formulieren und Strukturieren von Lebensläufen und Motivationsschreiben. Viele glauben deshalb, das Anschreiben verliere an Bedeutung, weil man es schnell generieren kann. In der Praxis passiert eher das Gegenteil.

Ein Motivationsschreiben zeigt Aufwand. Egal ob du es selbst formulierst oder mit KI erstellst: Du musst es danach überarbeiten, anpassen und konkret machen. Genau dieser Schritt signalisiert Interesse.

Problematisch wird es erst, wenn der Text austauschbar bleibt. Ein gutes Anschreiben entsteht nicht durch den ersten Entwurf, sondern durch das Anpassen:

  • kürzen
  • konkretisieren
  • Bezug zur Stelle schärfen

Wenn Sprache und persönlicher Auftritt später nicht zusammenpassen, fällt das sofort auf. Nutze KI deshalb als Sparringpartner, nicht als Ghostwriter.

Perspektive wechseln

Versetze dich in die Position der Recruiterin.
Schreibe das Motivationsschreiben nicht aus deiner Brille, sondern aus der Brille des Gegenübers.

Du solltest also nicht (nur) Stärken, Fähigkeiten und Interessen von dir aufzählen, sondern direkt aus der Perspektive des Lesers schreiben. Wie verändern deine Eigenschaften das Unternehmen, wenn du kommst?

Infografik mit 6 Schritten zum perfekten Motivationsschreiben: klare Struktur, Floskeln streichen, konkret bleiben, Bezug zum Unternehmen herstellen, Schweizer Formalitäten beachten und Rechtschreibung prüfen.

Nicht mehr als 1 Seite beim Anschreiben

In der Kürze liegt die Würze. Das gilt auch beim Bewerbungsanschreiben.
Best Practice ist eine Seite, nicht länger. Recruiter haben wenig Zeit und müssen sich schnell entscheiden, ob du eingeladen wirst oder nicht.

Klare Struktur für Dein Motivationsschreiben

Als Faustregel für den Aufbau:

  • You are great
  • I am great
  • Let’s be great together

In anderen Worten: Arbeitgeberbezug, eigener Fit, Team oder Kulturbezug. Also nicht nur «ich kann», sondern «deshalb passt es».

Begriffe aus dem Stelleninserat übernehmen

Screene das Stelleninserat nach Begriffen und nimm sie ins Bewerbungsschreiben auf. Nicht künstlich, sondern dort, wo sie passen. So erkennt der Leser schneller den Bezug.

Gerade grössere Unternehmen arbeiten mit automatisierten Vorprüfungen (ATS). Diese suchen nach klaren Begriffen wie Funktionen, Abschlüssen, Tools oder Tätigkeiten. Ein übersichtlicher Text hilft mehr als ein grafisches Layout.

Vor der Bewerbung kurz anrufen

Hand aufs Herz: Es ist ziemlich frustrierend, Stunden in eine Bewerbung gesteckt zu haben und dann vom potenziellen Arbeitgeber geghostet zu werden.

Darum zuerst anrufen. Das zeigt Interesse deinerseits. Damit bist du «Top of mind» und hast schon einmal einen stein im Brett. Oft zeigt sich, dass die Stelle schon besetzt ist oder die Firma bereits in der letzten Runde ist und das Inserat noch online steht.

Über Dr. Kathrin Neumüller

Bildungsexpert:in AI-Unternehmer:inFuture-of-Work-Macher:inTalent-BoosterCareerTech-Gründer:in

Dr. Kathrin Neumüller, Karriereexpertin und Mitgründerin von Humboldt AI, spezialisiert auf Lebenslauf Analyse, CV Check und datenbasierte Bewerbungsstrategien für den Schweizer Arbeitsmarkt.

Kathrin ist Gründerin und Co-CEO von Humboldt AI. Sie ist Expertin für Arbeitsforschung und Mitarbeitermotivation. Kathrin promovierte an der Universität St. Gallen (HSG) zum Thema «Employee Inspiration» und absolvierte Studien- und Forschungsaufenthalte an der University of Cambridge sowie der University of St Andrews.

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