Was soll ich zum Bewerbungsgespräch anziehen? Wirkt die Jeans zu locker? Der Anzug zu formell für das Jobinterview? Was bedeutet eigentlich Business Casual in der Schweiz? Viele Bewerbende sind vor dem Vorstellungsgespräch unsicher, wenn es um die passende Kleidung geht.

Wir geben dir Tipps, was du beim Outfit für dein Jobinterview beachten solltest und welche Dresscode-Regeln beim Bewerbungsgespräch gelten.

Die Frage nach dem passenden Outfit für das Bewerbungsgespräch ist ein entscheidender Punkt auf dem Weg zum neuen Job. Besonders in der Schweiz, wo Professionalität und ein gepflegter Auftritt einen hohen Stellenwert haben, sendet die richtige Garderobe klare, positive Signale.

Die gute Nachricht vorweg: Einen starr festgelegten Dresscode gibt es heute kaum mehr: Die Erwartungen variieren stark je nach Branche und Unternehmenskultur. Ein guter Kompass für den ersten Eindruck ist deshalb immer das Credo:

Im Zweifelsfall lieber eine Stufe formeller kleiden als zu leger. Damit zeigst du Respekt vor dem Bewerbungsgespräch und signalisierst, dass du die Sache ernst nimmst.

Informiere dich vor dem Job-Interview über das Unternehmen

Bevor du dich für ein Outfit für dein Jobinterview entscheidest, solltest du herausfinden, wie das Unternehmen tickt. Die beste Quelle dafür ist die Webseite des Unternehmens selbst.

Webseite analysieren

Schau dir die Teamfotos auf der Webseite genau an. Analysiere die Corporate-Bilder und den Karrierebereich. Welche Farben und welchen Stil kannst du beobachten? Achte besonders auf das Auftreten der Führungskräfte. Tragen sie Krawatte oder offenes Hemd? Sind die Bilder eher formell oder locker inszeniert? Gibt es Bilder aus dem Büroalltag, die zeigen, wie Mitarbeitende im Arbeitsalltag auftreten?

Viele Unternehmen geben auf ihrer Karriereseite bewusst Einblicke in ihre Unternehmenskultur.

Social Media Auftritt des Arbeitgebers analysieren

Noch aufschlussreicher sind oft die Social-Media-Kanäle. Schau dir LinkedIn, Instagram und TikTok an. Schau nicht nur, WAS die Menschen tragen, sondern wie formell, wie modern, wie kreativ oder wie individuell sie auftreten.

Ein Hoodie und Sneakers sind bei Techfirmen oft völlig normal. Ein Blazer und ein Hemd sind bei Beratungen Standard. Im Private Banking geht es deutlich formeller zu, während es in Kreativbranchen lockerer ist. Auch in der Forschung oder IT ist der Dresscode teilweise entspannter. Orientiere dich immer an der Branche und daran, wie Menschen dort tatsächlich auftreten.

No-Gos beim Bewerbungsgespräch

Es gibt einige Dinge, die du bei der Kleidung für das Bewerbungsgespräch vermeiden solltest.

  • Ungepflegte Hände
  • Starke Schweissflecken
  • Offene Schuhe (Sandalen, Flip-Flops)
  • Kurze Hosen
  • Kurzarmhemden
  • Party-Outfits
  • Sonnenbrille
  • Schmutzige oder kaputte Schuhe
  • Zu viel Parfum oder Deo
  • Stark zerknitterte Kleidung
  • Provokative oder politische Statements oder Slogans auf der Kleidung
  • Grelle Farben, wilde Printmuster oder Neonfarben

Schweizer Dresscode beim Bewerbungsgespräch

Die Schweiz ist kein homogener Arbeitsmarkt. Ein gutes Outfit für ein Bewerbungsgespräch in Zürich muss nicht zwangsläufig gut für ein Bewerbungsgepräch in Bern, Basel oder Genf sein. Zürich als Finanz- und Wirtschaftszentrum ist etwas formeller. Basel mit seiner Pharmaindustrie und Kulturszene ist etwas offener. Genf als internationaler Standort mit vielen NGOs und internationalen Organisationen hat wiederum eigene Normen.

Die Schweizer Arbeitskultur schätzt Qualität, Diskretion und Gepflegtheit. Auffällige Logos, extravagante Outfits oder zu viel Schmuck wirken in der Schweiz oft fehl am Platz. Verzichte auf Experimente beim Bewerbungsgespräch.

Dresscodes je nach Branche

Nicht jede Branche erwartet denselben Dresscode im Bewerbungsgespräch. In manchen Branchen wirkt overdressed komisch, in anderen fällt zu lockere Kleidung sofort negativ auf. Hier ist ein Überblick über die wichtigsten Branchen:

  • Consulting und Beratung: Ähnlich wie im Banking, aber mit etwas mehr Spielraum. Ein Anzug ohne Krawatte oder ein gepflegter Hosenanzug sind oft angemessen. Viele Beratungsunternehmen haben in den letzten Jahren ihren Dresscode etwas gelockert, aber das Grundprinzip bleibt: professionell und gepflegt.

  • Versicherungen: Ähnlich wie im Banking, oft etwas weniger streng. Business Professional ist die Norm.

  • Öffentliche Verwaltung: Je nach Position und Kanton kann es hier grosse Unterschiede geben. Grundsätzlich gilt: gepflegt, bescheiden, nicht zu auffällig. Business Casual ist in vielen Bereichen die sichere Wahl.

  • IT und Tech: Hier ist der Dresscode oft deutlich lockerer. Dunkle Jeans, ein gepflegtes Hemd oder Poloshirt und saubere Sneakers können völlig ausreichend sein. Ein zu formeller Anzug kann hier sogar deplatziert wirken und den Eindruck erwecken, dass du die Unternehmenskultur nicht verstanden hast.

  • Start-ups: Noch lockerer als klassische IT-Unternehmen. Hier ist oft alles möglich, solange es gepflegt und sauber ist. Trotzdem gilt: Auch in einem Start-up solltest du zeigen, dass du das Gespräch ernst nimmst.

  • Forschung und Wissenschaft: Ähnlich wie IT, oft entspannt. Smart Casual ist hier meist angemessen.

  • Gesundheitswesen: Je nach Position und Einrichtung variiert der Dresscode. In der Pflege oder in medizinischen Berufen ist ein gepflegtes, praktisches Outfit oft wichtiger als Formalität. In administrativen oder leitenden Positionen gelten eher Business-Casual-Regeln.

  • Kreativbranche: Hier darf das Outfit oft individueller und moderner sein. Wer in einer Werbeagentur oder einem Designstudio vorstellig wird, kann durchaus seinen persönlichen Stil zeigen – solange er professionell wirkt.

  • Private Banking und Finanzwesen: Hier gelten nach wie vor die strengsten Dresscode-Regeln. Ein klassischer Anzug oder ein Kostüm in gedeckten Farben ist oft erwartet. Krawatte und polierte Lederschuhe sind Standard.

Checkliste: Was soll ich zum Vorstellungsgespräch anziehen – 6 Schritte für das richtige Outfit beim Bewerbungsgespräch in der Schweiz
Outfit Vorstellungsgespräch Schweiz – Checkliste

In 6 Schritten zum perfekten Outfit fürs Jobinterview

Generationsunterschiede beim Dresscode

Auch das Alter der Gesprächspartner im Bewerbungsgespräch und die Generationskultur des Unternehmens spielen eine Rolle. Wer sich bei einem jungen Gründerteam vorstellt, das selbst im Hoodie arbeitet, wird mit einem klassischen Anzug möglicherweise Befremden auslösen. Wer dagegen bei einem Unternehmen mit einer älteren Führungsriege vorstellig wird, sollte eher auf der formelleren Seite bleiben.

Jüngere Recruiter und HR-Verantwortliche sind oft offener für moderne Dresscodes. Ältere Führungskräfte, besonders in traditionellen Branchen, können ein formelleres Auftreten als Zeichen von Respekt und Ernsthaftigkeit werten. Wirf einen Blick auf LinkedIn, um mehr über dein Gegenüber im Bewerbungsgespräch zu erfahren.

Im Zweifelsfall einfach anrufen

Viele Bewerber:innen wollen vor dem Jobinterview nicht beim HR anrufen, weil sie befürchten, damit unsicher zu wirken oder einen schlechten Eindruck zu machen. Ein kurzer Anruf vor dem Jobinterview ist besser als mit einem komplett falschen Outfit zu erscheinen.

Was bedeutet Business Casual?

Business Casual ist die goldene Mitte zwischen formeller Business-Kleidung und Freizeitlook. Es ist weniger streng als der klassische Anzug mit Krawatte, aber deutlich professioneller als der Smart Casual Look.

Business Professional ist der formellste Dresscode. Anzug, Krawatte, Kostüm in einer gedeckten Farbe (oftmals dunkelblau oder dunkelgrau), schwarze Lederschuhe. Dieser Dresscode gilt in Banking, Consulting und anderen traditionellen Branchen.

Business Casual ist die Mischung. Stoffhose oder Chino, Blazer oder Sakko, Hemd oder hochwertige Bluse, Loafers oder gepflegte Schnürschuhe. Schlichte, saubere Sneakers können je nach Unternehmen dazugehören. Neutrale und gedeckte Farben sind die Norm.

Smart Casual ist noch lockerer. Dunkle Jeans, Poloshirt, Pullover, saubere Sneakers. Dieser Dresscode gilt in vielen IT-Unternehmen und Start-ups.

Outfit vor dem Bewerbungsgespräch testen

Um am Tag des Jobinterviews böse Überraschungen zu vermeiden, solltest du dein Outfit vorher testen. Ziehe das Outfit komplett an. Teste, wie es sich beim Sitzen anfühlt, und prüfe deine Bewegungsfreiheit. Mach ein Handyfoto von dir und prüfe dein Spiegelbild. Prüfe, ob der Blazer beim Sitzen unbequem spannt oder ob das Hemd aus der Hose rutscht. Lies ehr darüber, wie du dich inhaltlich am besten auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten kannst.

Unsicherheit wegen Kleidung erzeugt im Bewerbungsgespräch unnötigen Stress, den du durch Probetragen vermeiden kannst. Hänge das Outfit am Abend vorher bereits bereit. So sparst du dir am Morgen des Gesprächs unnötigen Stress und kannst dich auf die inhaltliche Vorbereitung konzentrieren. Lies mehr darüber, wie du die grössten Fehler im Bewerbungsgespräch vermeiden kannst.

Über Dr. Kathrin Neumüller

Bildungsexpert:in AI-Unternehmer:inFuture-of-Work-Macher:inTalent-BoosterCareerTech-Gründer:in

Dr. Kathrin Neumüller, Karriereexpertin und Mitgründerin von Humboldt AI, spezialisiert auf Lebenslauf Analyse, CV Check und datenbasierte Bewerbungsstrategien für den Schweizer Arbeitsmarkt.

Kathrin ist Gründerin und Co-CEO von Humboldt AI. Sie ist Expertin für Arbeitsforschung und Mitarbeitermotivation. Kathrin promovierte an der Universität St. Gallen (HSG) zum Thema «Employee Inspiration» und absolvierte Studien- und Forschungsaufenthalte an der University of Cambridge sowie der University of St Andrews.

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